02041-106-0
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Duisburg-Essen
​Fibronektion - Test zur Vorhersage des Frühgeburtsrisikos
"Ein negativer Test sagt mit bis zu 99 % Wahrscheinlichkeit voraus, ob eine Schwangere in den nächsten 14 Tagen ihr Baby bekommen wird".
 
In der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe wird ein Test eingesetzt, der über einen Abstrich den Geburtshelfern dabei hilft, die Schwangeren zu identifizieren, die ein hohes Risiko für eine Frühgeburt haben.
Wissenschaftlich untersucht ist der Test für Frauen, die zwischen der 22. und der 35. Schwangerschaftswoche sind. Ein negativer Test sagt voraus, dass eine werdende Mutter mit bis zu 99 % Wahrscheinlichkeit in den nächsten 14 Tagen nicht entbinden wird und hilft so, den notwendigen Krankenhausaufenthalt möglicherweise abzukürzen und die Besorgnis der werdenden Eltern, der Geburtshelfer und der Kinderärzte zu mindern.
 
Bei einem positiven Testergebnis kann das Team die erforderlichen Therapiemaßnahmen einleiten, die eine Frühgeburt verhindern sollen und sich gleichzeitig auf die Versorgung des neuen hilfebedürftigen Erdenbürgers besser einstellen.
„Eine Frühgeburt kann für das Baby einen langen Aufenthalt auf unserer Intensivstation bedeuten und möglicherweise lebenslange Konsequenzen mit sich bringen.“ erklärt Dr. med. Hans-Christian Kolberg, der Chefarzt der Frauenklinik, der sich mit Dr. med. Martin Günther, dem Chefarzt der Kinderklinik, einig ist, dass eine genauere Vorhersage dieses Risikos eine entscheidende Verbesserung in der Betreuung der Schwangeren mit Hinweisen für eine drohende Frühgeburt darstellt. Mit dem Fibronektin-Test können wir vielen werdenden Müttern die problematischen Langzeitbehandlungen mit wehenhemmenden Medikamenten ersparen und ihnen schneller wieder erlauben, sich körperlich zu belasten.“
 
Der Test funktioniert über die Messung eines speziellen Stoffes, des Fibronektins, in der Scheide einer Schwangeren. Fibronektin wirkt stark verkürzt ausgedrückt wie ein Klebstoff, der das Baby im Schoß der Mutter hält, bevor die richtige Zeit für die Entbindung gekommen ist.
Eine erhöhte Konzentration von Fibronektin in der Scheide zwischen der 22. und der 35. Schwangerschaftswoche ist ein Hinweis auf ein stark erhöhtes Frühgeburtsrisiko, insbesondere bei gleichzeitig bestehender Wehentätigkeit oder einer Verkürzung des Gebärmutterhalses im Ultraschall, die der Ultraschallspezialist, Oberarzt Dr. med. Carsten Lehment, messen kann.
 
Bei einem positiven Test wissen also die Geburtshelfer, dass eine Schwangere ihrer besonderen Aufmerksamkeit bedarf und können - neben der Einleitung einer Therapie mit wehenhemmenden Medikamenten, Bettruhe und der Gabe von Kortison zur Reifung der Lunge des Babys bereits im Bauch der Mutter - gemeinsam mit den Kinderärzten, die auf die Behandlung auch kleinster „Frühchen“ spezialisiert sind, alle Vorbereitungen für die Versorgung des neuen Erdenbürgers bei seiner verfrühten Landung im Leben treffen.
Ein negativer Test hingegen ermöglicht oft eine rasche Rückkehr der Schwangeren nach Hause nach 2-3 Tagen und die Weiterbetreuung der Schwangerschaft durch den eigenen Frauenarzt.
Wenn notwendig, kann der Test alle 14 Tage wiederholt werden und hat dann wieder die gleiche Vorhersagekraft.
 
Der Test wird in Deutschland in etwa 20 Kliniken eingesetzt, überwiegend in Universitätskliniken und in Perinatalzentren, wie dem Marienhospital Bottrop.
„Unser wichtigstes Ziel als Team im Perinatalzentrum ist natürlich die Vermeidung einer Frühgeburt. Auch wenn wir wissen, dass auch extreme „Frühchen“ mit einem Gewicht von nur 500 bis 600 Gramm bei unseren Neonatologen ( =spezialisierten Kinderärzten für Neugeborene ) in den besten Händen sind, sind wir froh über jeden Tag, den ein Baby länger im Bauch der Mutter bleibt. Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir den uns anvertrauten werdenden Müttern zur Erreichung dieses Ziels oft belastende Therapien zumuten müssen.
Der Fibronektin-Test ermöglicht es uns, diese Belastungen auf ein notwendiges Maß zu reduzieren und vielen werdenden Eltern ihre große Sorge vor einer Frühgeburt zu nehmen.
 
Die erste Schwangere, bei der wir den Test eingesetzt haben, war eine Kinderkrankenschwester aus unserem eigenen Krankenhaus, die natürlich genau weiß, was eine Frühgeburt für ihr Kind bedeutet. Aufgrund der Messungen des Gebärmutterhalses waren wir alle davon überzeugt, dass die Geburt unmittelbar bevorstand. Der Test war negativ und 14 Tage später war sie immer noch schwanger und das Baby in ihrem Bauch quietschfidel!“ freute sich Priv.-Doz. Dr. med. Kolberg über die ersten Ergebnisse der Einführung des Tests.
 
 

 Kontakt zur Klinik

 
Chefarzt: 
Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Christian Kolberg
 
Visiting Professor der Universität Nanjing
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Schwerpunkt gynäkologische Onkologie
Spezielle operative Gynäkologie
DEGUM II (Mamma- Sonographie)
 
 
Chefarztsekretariat:
Claudia Madej
 
Tel.:  (0 20 41) 1 06 - 16 01
Fax:  (0 20 41) 1 06 - 16 19
 
 
Sprechzeiten:
täglich nach Vereinbarung